Warum sich unsere Haut rund um die Menopause verändert
Helena Rubinstein gründete 1902 in Melbourne ihr erstes Kosmetikunternehmen mit einem einzigen Produkt: einer Gesichtscreme, die sie aus Polen mitgebracht hatte. Ein Satz, der ihr oft zugeschrieben wird: „Es gibt keine hässlichen Frauen, nur faule.“ Damit hat dieser Satz Generationen von Frauen das Gefühl gegeben, dass Hautpflege eine Frage der Disziplin sei. Nicht des Östrogens. Nicht der Biologie. Nur des Aufwands.
Wir wissen heute: Das ist falsch. Unsere Haut ist ein östrogenabhängiges Organ. Sie reagiert auf Hormonschwankungen. Das heisst, die Veränderungen, die Frauen spätestens ab dem 45. Lebensjahr an ihrer Haut beobachten, sind keine Faulheit. Sie sind das Resultat von vielen Einflüssen, unter anderem auch von unseren Wechseljahren.
Kennst Du das auch? Da denkt man, man kennt nun mit Mitte40 endlich seine Haut, und von heute auf morgen ist wieder alles anders. Da haben wir doch unsere Pflegeroutinen teilweise seit Jahrzehnten, und trotzdem wird die Haut dünner, trockenere, weniger Prall, mehr Falten. Und klar, das ist keine Einbildung, das ist Tatsache. Aber da steckt auch eine Menge an biologischen Prozessen dahinter, und es lohnt sich, diese zu verstehen.
Deine Haut ist kein reines kosmetisches Thema. Sie ist das größte Organ Deines Körpers – und eines der ersten, das auf Hormonschwankungen reagiert.
Was Östrogen mit der Haut macht
Wusstest Du, das unsere Haut und auch unsere Haare Östrogenrezeptoren besitzen? Dabei hat Östrogen folgende direkte Wirkungen auf die Haut:
- Kollagenproduktion: Östrogen stimuliert diese kleinen Dinger, die Fibroblasten, die Kollagen produzieren. Und Kollagen wiederum macht 70 bis 80 Prozent der Haut aus, es ist sozusagen das Gerüst, das die Haut fest und elastisch hält. Fehlt es… naja, Du kannst es Dir vorstellen, dann wird’s schlaff.
- Hyaluronsäure: Östrogen fördert aber auch die Produktion von Hyaluronsäure, dem natürlichen Feuchthaltemittel der Haut. Sprich, mehr Östrogen, mehr Hyaluron, mehr pralle Haut.
- Talgproduktion: Östrogen reguliert die Talgdrüsen. Wenn es sinkt, produziert die Haut weniger Talg, und wird trockener. Tja, da hatten wir es in der Pubertät mit mehr Talg und Pickeln und fettiger Haut zu tun, jetzt geht das Spiel halt rückwärts.
- Wundheilung: Östrogen beschleunigt aber auch die Wundheilung und hemmt Entzündungsreaktionen in der Haut. Auch das ist natürlich gut und vorteilhaft.
- Hautdicke: Und zu guter Letzt: Östrogen hält die Haut dicker und praller. Ohne das, siehts gleich mal dünn um uns aus.
Und jetzt kommt aber natürlich noch die schlechte Nachricht: denn ja, in den Wechseljahren fällt das Östrogen so langsam ab. Aber noch dazu verliert die Haut in den ersten fünf Jahren nach der Menopause noch einmal bis zu 30 Prozent ihres Kollagens. Nicht über Jahrzehnte. In fünf Jahren! Und das erklärt, warum die Veränderungen so plötzlich und so deutlich erlebbar sind. Aber man kann unterstützende Maßnahmen ergreifen, um die Haut in dieser Phase bewusst zu begleiten.
Was helfen kann, von innen und außen
Ich bin jetzt nicht der Meinung von Helena Rubinstein, dass es nur an der Disziplin liegt… allerdings stimmt es natürlich schon, ordentlich sollten wir mit uns und unserer Haut schon umgehen. Insbesondere wenn sie mehr Bedürfnisse hat. Deswegen kann man durchaus hier etwas mehr Regelmässigkeit an den Tag legen. Es gibt mittlerweile eine Reihe von wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu, welche Faktoren die Haut in dieser Phase beeinflussen können. Einige davon lassen sich im Alltag berücksichtigen. Hier habe ich die wichtigsten eingeordnet.
Von innen: Kollagen-Supplementierung
Hydrolysiertes Kollagen (also Kollagen was als Flüssigkeit angeboten wird) wird seit einigen Jahren intensiv wissenschaftlich untersucht. Dabei wird unter anderem betrachtet, ob es Zusammenhänge mit Hautparametern wie Elastizität, Feuchtigkeit oder Falten geben kann. Die Studienlage ist jedoch nicht einheitlich, und die Ergebnisse lassen sich nicht pauschal auf alle übertragen. Auch spielt Vitamin C in diesem Zusammenhang eine Rolle, da es zu einer normalen Kollagenbildung für die normale Funktion der Haut beiträgt. Ich habe in meinem Artikel über Kollagen und die Wechseljahre noch einmal ausführlich darüber geschrieben. Und wenn Du mehr über die wichtigsten Nährstoffe in den Wechseljahren lesen möchtest, schau Dir an warum Magnesium, Vitamin D und Omega-3 so wichtig sind.
Von innen: Hyaluronsäure oral
Auch orale Hyaluronsäure wird aktuell wissenschaftlich untersucht, insbesondere im Hinblick auf mögliche Zusammenhänge mit Hautfeuchtigkeit und Elastizität. Die Datenlage ist hier ebenfalls noch begrenzt, und es gibt bislang keine einheitlichen wissenschaftlichen Bewertungen. Klar ist: Der Körper verarbeitet aufgenommene Stoffe komplex, und nicht alles gelangt in der Form in die Haut, wie man es intuitiv erwarten würde.
Von innen: Ernährung
Und natürlich auch ohne Supplements wirksam: antioxidantienreiche Ernährung kann Hautzellen vor oxidativem Stress schützen. Dazu gehören Beeren, grünes Gemüse, Nüsse, Olivenöl. Wohingegen Zucker und hochverarbeitete Kohlenhydrate die Glykierung fördern, das ist ein Prozess, bei dem Zucker an Kollagenfasern bindet und sie steifer und brüchiger macht (man nennt es auch „Verzuckerung“). Dieser Prozess wird in der Forschung als ein möglicher Einflussfaktor auf Hautalterung diskutiert. Und auch zur Ernährung habe ich schon einmal geschrieben, schau Dir den ausführlichen Blog Artikel Ernährung in den Wechseljahren am besten gleich an.
Aber natürlich wie immer der wichtige Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Die genannten Zusammenhänge basieren auf Studien und können individuell unterschiedlich ausfallen.
Von außen: Die drei unverzichtbaren Wirkstoffe
In der Menopause braucht Haut nicht mehr Produkte, sie braucht die richtigen. Drei Wirkstoffe sind durch Studien besonders gut belegt:
- Retinol (Vitamin A-Derivat): Wird in der Kosmetikforschung untersucht hinsichtlich möglicher Effekte auf Kollagenproduktion, Zellregeneration und Pigmentunregelmäßigkeiten. Bitte nur abends anwenden, langsam einsteigen, und immer mit Lichtschutzfaktor am Tag kombinieren.
- Hyaluronsäure: Auch von aussen zieht es Feuchtigkeit in die Haut und hält sie fest. Auf leicht feuchter Haut auftragen, dann noch einmal „versiegeln“ mit einer Creme.
- Lichtschutzfaktor SPF 30 oder höher täglich: 80 Prozent der sichtbaren Hautalterung ist UV-bedingt. Das ist keine Schätzung, das sind echte Messdaten. Jeden Tag, auch im Winter, auch bei bewölktem Himmel, sollte man also an seinen SPF denken.
Deine Haut hat sich nicht gegen Dich gewendet. Sie folgt der Biologie. Und Biologie lässt sich unterstützen.
Hör also auf, Hautpflege als Kampf gegen das Alter zu sehen oder als rein kosmetisches oder Äußerliches zu sehen. Wir wollen uns eigentlich doch wirklich nur „wohl“ fühlen in unserer Haut. Und da sie eben auch ein wirklich wichtiges Organ ist, sollte man sie pflegen und hegen. Sieh die Tipps also als Unterstützung eines Organs an, das gerade unter Hochdruck arbeitet. Das ist ein grundlegend anderes Verhältnis, und es macht viel mehr Freude.
In diesem Sinne, sei gut zu Dir.

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