Menopause und der Arztbesuch: Wie du das Gespräch führst, das du verdient hast

Der Arztbesuch: Das Gespräch, das Du verdienst

5 Min.

Wie Du Dich vorbereitest und wie Du bekommst, was Du brauchst

Elizabeth Blackwell wurde 1849 als erste Frau in den USA zum Arzt zugelassen. Sie hatte sich an 29 Medizinschulen beworben, 28 lehnten sie ab. Ihre Kommilitonen an der Geneva Medical School stimmten über ihre Aufnahme ab und votierten dafür, weil sie es für einen schlechten Scherz hielten. Was Blackwell am meisten erschütterte, war nicht die Ablehnung durch die Institutionen. Es war die Beobachtung, dass Patientinnen in Arztpraxen und Krankenhäusern systematisch weniger ernst genommen wurden als männliche Patienten. Sie schrieb 1895: „Die Medizin wird nicht vollständig sein, bis Frauen darin gleichberechtigt sind, als Ärztinnen und als Patientinnen.“

84 Prozent. Das ist der Anteil der Frauen, die in einer britischen Studie angaben, dass ihre Wechseljahresbeschwerden von Ärzten zunächst nicht erkannt wurden. Nicht 10 Prozent. Nicht 30 Prozent. Vierundachtzig.

Das ist ein systemisches Problem: mangelnde Ausbildung, zu wenig Zeit, zu wenig Forschung zu Frauengesundheit. Und es ist ein Problem, das Du nicht einfach hinnehmen musst. Der effektivste Weg, in einer Praxis ernst genommen zu werden: vorbereitet erscheinen. Mit konkreten Symptomen. Mit dem richtigen Vokabular. Mit klaren Fragen.

Du bist die Expertin für Deinen Körper. Der Arzt ist Experte für Medizin. Ein gutes Arztgespräch ist also eine Zusammenarbeit, keine Einbahnstraße.

Vor dem Termin: Was Du vorbereiten solltest

1. Dein Symptomprotokoll

Bring eine schriftliche Liste Deiner Symptome mit. Nicht vage, sondern so konkret wie möglich. Nicht „ich schlafe schlecht“, sondern „ich wache 3 bis 4 Mal pro Nacht auf, kann nicht wieder einschlafen, bin seit 4 Monaten durchgehend erschöpft“. Jedes Symptom am besten mit Art, Dauer, Intensität auf einer Skala von 1 bis 10 um die Auswirkung auf den Alltag zu zeigen.

2. Dein Zykluskalender

Falls Du noch Deine Periode hast: Führe 2 bis 3 Monate lang Aufzeichnungen über Zykluslänge, Blutungsstärke, PMS-Symptome. Das gibt Deinem Arzt oder Deiner Ärztin zusätzlich objektive Daten statt nur subjektiver Beschreibungen.

3. Deine Familiengeschichte

Herzerkrankungen, Osteoporose, Brustkrebs, Thrombose in der Familie, all das beeinflusst Therapieentscheidungen direkt. Nicht alles musst Du wissen, aber was Du weißt, solltest Du mitbringen und es auch gezielt sagen.

4. Deine Fragen

Schreib sie auf. Im Gespräch vergisst man Fragen, deswegen ist es am besten, Du hast sie vorher aufgeschrieben und bringst sie mit. Denn besonders wenn man nervös ist oder viel auf einmal besprochen wird, kann manches runterfallen.

Im Gespräch: So eröffnest Du

Statt „Ich glaube, ich komme in die Wechseljahre“, sag doch einfach direkt:

Formulierungsvorschlag

„Ich vermute, dass ich mich in der Perimenopause befinde. Ich erlebe folgende Symptome seit [Zeitraum]: [Liste]. Die beeinträchtigen meinen Alltag erheblich. Ich möchte das heute systematisch abklären und besprechen, welche Behandlungsoptionen für mich in Frage kommen.“ Das setzt den Rahmen. Du bist nicht hier, um abgehört zu werden, Du bist hier, um gemeinsam zu entscheiden. Lass Dich nicht überrumpeln, wegschicken oder nicht ernst genommen fühlen… wenn das der Fall sein sollte, such Dir lieber einen besseren Arzt oder Ärztin.

Die Untersuchungen, die Du anfragen solltest

Nicht jeder wird alle Tests spontan anordnen und natürlich wirst Du vielleicht auch gar nicht alles benötigen. Frag dennoch aktiv nach:

  • Schilddrüse: TSH, fT3, fT4, Anti-TPO, Anti-TG
  • Blutbild: Mit Ferritin (nicht nur Hämoglobin)
  • Vitamin D: 25-OH-Vitamin D
  • Blutzucker: Nüchternblutzucker oder HbA1c
  • Cholesterin: Mit LDL/HDL-Aufschlüsselung
  • Knochendichte: DXA-Messung, ab 50 oder früher bei Risikofaktoren

Wenn die Ärztin einzelne Tests ablehnt: Frag nach dem Grund. „Noch nicht nötig“ ist keine Begründung, frag, welcher Wert oder welches Symptom den Test auslösen würde. Zusätzlich überlege ob Du einen Hormonstatus machen möchtest, dass dann aber nur bei einem Frauenarzt/ärztin.

Die Behandlungsoptionen, die Du kennen solltest

Bevor Du zum Arzt gehst, hilft es, die wesentlichen Kategorien zu kennen, damit Du informiert entscheiden kannst:

  • Alltag: Du kannst wirklich viel über Veränderung im Alltag erreichen. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressmanagement. All das kann die Beschwerden lindern und ist auch immer sinnvoll. Überlege auch, ob Du gezielt Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchtest, wenn Deine Werte das anzeigen.
  • Menopausale Hormontherapie (MHT/HRT): Hiermit kannst Du gezielt Östrogen- und/oder Progesteron einnehmen. Es ist die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen, Schlafprobleme, vaginale Symptome und auch Knochenverlust. Allerdings dauert es unter Umständen, bist Du gut eingestellt bist. Und es sollte immer in ärztlicher Begleitung geschehen.
  • Lokale Östrogentherapie: Nur vaginal wirksam und deshalb gezielt für Symptome „da unten“. Auch hier, immer mit ärztlicher Begleitung.
  • Nicht-hormonelle medikamentöse Optionen: die befinden sich alle noch im Entwicklungsstadium, aber sprech Deinen Arzt ruhig gezielt darauf an.
  • Pflanzliche Optionen: Traubensilberkerze, Isoflavone, Phytoöstrogene. Sie haben unterschiedliche Wirkungsweisen, aber auch hier kann man sich beraten lassen. Mehr findest Du hier in meinem Blog Artikel über Pflanzliches Östrogen.

Wichtig:

Es gibt keine „richtige“ Behandlung für alle. Die beste Therapie ist die, die zu Deinen Symptomen, Deiner Gesundheitsgeschichte und Deinen Werten passt. Jede Entscheidung, auch eine, nichts zu tun, sollte aber informiert sein. Das ist das Ziel dieses Gesprächs mit Deinem Arzt oder Ärztin.

Wenn Du Dich nicht ernst genommen fühlst

Das kann passieren. Nicht jeder ist menopausaler Spezialist. Nicht jeder Gynäkologe oder Frauenärztin hat ausreichend Fortbildung in Wechseljahrsmedizin. Das sind die Optionen:

  • Einen zweiten Termin anfragen, wenn die Zeit zu kurz war.
  • Eine zweite Meinung einholen, das ist kein Vertrauensbruch.
  • Einen Arzt suchen, der als „Menopause-Spezialist“ oder „Klimaktologe“ ausgewiesen ist.

Wenn die Zeit zu kurz war, mach einen neuen Termin. Deine Gesundheit ist das wert.

Du hast jahrelang gelernt, in Arztpraxen keine Umstände zu machen. Spätestens jetzt und in diesem Thema darfst Du damit aufhören. Deine Wechseljahresbeschwerden sind medizinisch relevant. Du hast das Recht auf ein vollständiges Gespräch.

In diesem Sinne, sei gut zu Dir.

Deine Mara

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