Die Postmenopause verstehen und aktiv gestalten
Margaret Mead war eine der einflussreichsten Anthropologinnen des 20. Jahrhunderts. Feldforscherin, Autorin, öffentliche Intellektuelle. Viele ihrer bedeutendsten Werke schrieb sie in der Postmenopause. Ihr bekanntestes Zitat über diese Lebensphase: „There is no more creative force in the world than the menopausal woman with zest.“ Zest ist ein komisches englisches Wort finde ich, aber bedeutet Lebenskraft auf deutsch!
Sie prägte also den Begriff „postmenopausalen Lebenskraft“, eine Energie und Klarheit, die viele Frauen nach dem Ende der Wechseljahre beschreiben. Die Anthropologie bestätigte, was Mead beobachtete: In Kulturen, in denen postmenopausale Frauen Respekt und soziale Autorität genießen, berichten sie von mehr Wohlbefinden, weniger Beschwerden und mehr Vitalität als Frauen, die in Kulturen aufgewachsen sind, die Altern mit Verlust verbinden.
Die Menopause wird oft als Ziel behandelt, als etwas, das man erreicht und dann „übersteht“. Als ob danach wieder Normalität einkehrt. Als ob der Körper nach dem Übergang aufhört, ein medizinisch relevantes Thema zu sein.
Beides ist falsch. Die Postmenopause ist zuallererst keine Nachsorge, so wie im postnatalen Wochenbett. Sie ist eine ganz eigenständige Lebensphase, mit eigenen Gesundheitsdynamiken, eigenen Risiken und eigenen Chancen. Und wer sie versteht, kann sie aktiv gestalten statt passiv in sie hineinzurutschen und sie „zu ertragen“. Das bedeutet aber auch, dass jede Frau nach der Menopause bis zum Ende (also dem Lebensende) in eben genau dieser Phase ist, der Postmenopause.
Die Postmenopause ist nicht das Ende des Buches. Sie ist der Beginn eines Kapitels, für das Du Jahrzehnte Erfahrung und Selbstwissen mitbringst. Sie kann Dir neue Lebenskraft geben.
Was sich in der Postmenopause stabilisiert
Die gute Nachricht zuerst: Viele der Symptome, die die Perimenopause und frühe Menopause so turbulent machen, lassen in der Postmenopause nach.
- Hitzewallungen: Bei vielen Frauen nehmen Häufigkeit und Intensität ab, durchschnittlich nach 7 Jahren, bei manchen früher, bei anderen leider aber auch erst nach über 10 Jahren.
- Stimmungsschwankungen: Die hormonelle Achterbahn der Perimenopause flacht ab, wenn sich die Hormonspiegel auf einem neuen, niedrigeren Niveau stabilisiert haben.
- Schlaf: Auch er verbessert sich bei vielen Frauen, wenn Hitzewallungen nachlassen, sofern keine anderen Ursachen wie Schlafapnoe vorliegen.
- Energie: Viele Frauen berichten von einem Energieanstieg in der Postmenopause, wenn die Symptome der Transition hinter ihnen liegen, wird wieder durchgestartet.
Was in der Postmenopause aber weiter Aufmerksamkeit braucht
Knochendichte: kontinuierlicher Schutz
Der schnellste Knochenverlust findet in den ersten 5 Jahren nach der Menopause statt. Er verlangsamt sich dann zwar, aber er hört nicht auf. Knochenschutz bleibt deshalb gerade für Frauen dauerhaft relevant: Krafttraining, Kalzium, Vitamin D, Vitamin K2, regelmäßige Vorsorge-Messungen ab 60 (oder sogar früher bei Risikofaktoren).
Herzgesundheit: das zweite wichtige Langzeitthema
In der Postmenopause steigt das Herzerkrankungsrisiko kontinuierlich. Ab etwa 10 Jahren nach der Menopause haben Frauen dasselbe Herzinfarktrisiko wie Männer im gleichen Alter. Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Gewicht, Bewegung, all diese Parameter müssen in der Postmenopause genauso ernst genommen werden wie beim Mann.
Genitourinary Syndrome der Menopause (GSM): oft verschwiegen, immer behandelbar
Das Genitourinary Syndrome der Menopause (vaginale Trockenheit, Blasenprobleme, Schmerzen beim Sex) verschlimmert sich in der Postmenopause ohne Behandlung kontinuierlich. Es verschwindet nicht von selbst. Lokales Östrogen ist sicher, wirksam und verbessert die Lebensqualität erheblich. Wenn Du betroffen bist, schweig nicht darüber. Hol Dir ärztlichen Rat und lass Dir helfen.
Kognition: aktiv erhalten
Das Risiko für Demenz steigt natürlich mit dem Alter. Aber auch hier kann man aktiv vorbeugen. Was zählt: körperliche Bewegung (ja, gut für das Gehirn), soziale Verbindung als kognitiver Schutz, kontinuierliche mentale Herausforderung, Schlaf als Reinigungsmechanismus des Gehirns. Das ist keine Garantie, das man von Demenz verschont bleibt, aber es ist der stärkste bekannte Schutzfaktor.
Gewicht und Stoffwechsel: auch hier kann man noch etwas tun
Die Insulinsensitivität bleibt in der Postmenopause verändert. Protein, Krafttraining, antientzündliche Ernährung und Schlaf bleiben genauso relevant wie in der Perimenopause, also der Zeit der Wechseljahre. Und auch jetzt lohnt es sich, darauf zu achten und unter Umständen erst noch zu starten. Die Relevanz nimmt nicht ab, sie wird noch relevanter.
Vorsorge in der Postmenopause: was wann im Blick haben?
Hier auch noch einmal ein Überblick über relevante Screenings, aber auch hier lass Dich unbedingt ärztlich beraten:
- Mammographie: Alle 2 Jahre (im Rahmen des nationalen Screenings ab 50).
- Darmkrebsvorsorge (Koloskopie): Ab 55 alle 10 Jahre.
- Knochendichtemessung (DXA): Ab 60 oder früher bei Risikofaktoren.
- Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker: Jährlich.
- Augenarzt: Glaukom-Screening ab 60.
- Hautarzt: Ganzkörperkontrolle jährlich.
- Hormonstatus: Wenn Du noch Hormone einnimmst dann regelmäßige Überprüfung jährlich.
Der „postmenopausal zest“: Die Lebenskraft ist mehr als ein romantisches Konzept
Margaret Meads Begriff ist nicht nur Poesie. Er ist in Längsschnittstudien beobachtet worden. Die Melbourne Women’s Midlife Health Project Studie, die Frauen über 15 Jahre begleitete, fand: Viele Frauen berichteten nach den Wechseljahren und in der Postmenopause von gesteigertem Wohlbefinden, mehr Selbstsicherheit und klarerer Vorstellung davon, was sie vom Leben wollen.
Nicht alle. Nicht automatisch. Aber häufig genug, dass es kein Zufall ist.
Was diese Frauen gemeinsam hatten: Sie hatten die Menopause nicht passiv erlitten, sie hatten sie aktiv „erlebt“, sich informiert, sich beraten lassen. Sie wussten, was in ihrem Körper passiert war. Sie hatten Entscheidungen getroffen: über Behandlung, über Ernährung, über Bewegung, über Beziehungen. Und sie kamen in die Postmenopause mit dem Gefühl: Ich kenne mich jetzt besser als je zuvor.
Was Du Dir für die Postmenopause mitnehmen solltest
Die Menopause ist nicht das Ende Deiner Beziehung zu Deinem Körper. Sie kann schon davor, also in den Wechseljahren, der Anfang einer viel besseren Beziehung zu Dir selbst und zu Deinem Körper sein. Was Du in dieser Phase über Hormone, Ernährung, Bewegung und Prävention gelernt hast, trägt Dich in eine Postmenopause, die Du aktiv gestaltest.
Von „Was ist die Menopause?“ bis zu diesem Artikel hast Du schon jetzt viel mehr wissen als manch andere Frauen vor Dir. Ich hoffe, Du gehst dadurch selbstbewusster und mit einem besseren Gefühl in diese turbulenten Jahre, wann immer sie kommen werden. Denn denke daran: Ich bin vorbereitet. Ich bin informiert. Ich bin nicht allein.
In diesem Sinne, sei gut zu Dir.

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