Frau beim Morgenspaziergang
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Herzgesundheit und die Menopause

7 Min.

Warum das Herz in der Lebensmitte zur Priorität wird

Im Jahr 1991 startete die Women’s Health Initiative (WHI), die größte Studie zur Frauengesundheit in der Geschichte der Medizin. Mit über 160.000 Teilnehmerinnen und einem Budget von einer Milliarde Dollar sollte sie endlich klären, was Frauen wirklich krank macht.

Bis dahin hatten fast alle großen Herzstudien fast ausschließlich nur Männer untersucht. Das Ergebnis war ernüchternd: In den Daten, die das medizinische Wissen über Herzerkrankungen formten, kamen Frauen kaum vor.

Die WHI änderte das. Und eine der wichtigsten Erkenntnisse: Herzerkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen weltweit, sie töten mehr Frauen als alle Krebsarten zusammen. Mit dem Übergang in die Menopause verändern sich bei vielen Frauen Lipide, Fettverteilung und Gefäßfunktion. Dadurch steigt das kardiovaskuläre Risiko, besonders wenn weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes oder Bewegungsmangel dazukommen

Es gibt eine Zahl, die mich jedes Mal neu beeindruckt: Herzerkrankungen töten mehr Frauen als alle Krebsarten zusammen. Nicht annähernd gleich viele, sondern mehr. Und trotzdem ist das Herz das Organ, an das Frauen in der Perimenopause am seltensten denken, wenn sie über ihre Gesundheit nachdenken.

Das hat einen Grund, denn jahrzehntelang galt die Herzerkrankung als Männerdomäne. Die Symptome wurden bei Männern beschrieben. Die Studien wurden an Männern durchgeführt. Und Frauen erfuhren zu wenig über ihr eigenes Risiko. Das möchte ich in diesem Blog einmal beleuchten.

Herzerkrankungen beginnen für Frauen nicht mit einem Herzinfarkt. Sie beginnen oft mit der Menopause – leise, unsichtbar, über Jahre.

Wie Östrogen das Herz schützt

Östrogen ist ein aktiver Herzschutz, und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Gefäßelastizität: Östrogen hält Blutgefäße elastisch und geschmeidig. Es fördert z.B. auch die Produktion von Stickstoffmonoxid, einem Molekül, das Gefäße entspannt und erweitert.
  • Cholesterin-Management: Östrogen erhöht das HDL-Cholesterin (das „gute“) und senkt LDL (das „schlechte“). Mit dem Östrogenabfall kehrt sich dieses Verhältnis aber leider um.
  • Entzündungshemmung: Östrogen hat antientzündliche Eigenschaften. Entzündung ist einer der wichtigsten Treiber von Arteriosklerose, der Ablagerung von Plaques in den Gefäßen.
  • Blutdruckregulation: Östrogen unterstützt die Regulation des Blutdrucks. Nach der Menopause steigt der Blutdruck bei vielen Frauen erstmals an.
  • Insulinsensitivität: Östrogen schützt vor Insulinresistenz, einem zentralen Faktor für kardiovaskuläres Risiko.

Was passiert nach der Menopause

In den ersten 10 Jahren nach der Menopause verdoppelt sich das Risiko einer Herzerkrankung bei Frauen. Das Herzinfarktrisiko steigt auf das Niveau von Männern im gleichen Alter. Gleichzeitig werden Herzinfarkte bei Frauen häufiger spät oder gar nicht erkannt, weil die Symptome anders sind als bei Männern.

Herzpalpitationen, was ist denn das?

Herzpalpitation ist der Fachbegriff für das bewusste Wahrnehmen des eigenen Herzschlags. Viele Frauen bemerken in der Perimenopause erstmals Herzrasen oder Herzstolpern. Das erschreckt – zu Recht. Aber in den meisten Fällen sind diese Palpitationen keine Herzerkrankung, sondern ein direkter Effekt des Östrogenabfalls auf das autonome Nervensystem, das den Herzrhythmus reguliert.

Wann soll man aber unbedingt trotzdem zum Arzt:

  • Herzrasen, das länger als einige Minuten anhält
  • Schwindel, Ohnmacht oder starke Kurzatmigkeit begleiten das Herzrasen
  • Brustschmerzen oder Druck in der Brust
  • Wenn familiäre Herzerkrankungen bekannt sind

Im Zweifel deshalb bitte immer abklären lassen, ein EKG schadet grundsätzlich nie, insbesondere wenn man schon lange keines gemacht hat, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt. Mit einem Herzcheck startest Du einfach auch beruhigter in ein Phase voller Umstellung. Außerdem solltest Du auch über die folgenden Risikofaktoren Bescheid wissen, damit Du unter Umständen gezielt aufpassen und dagegen arbeiten kannst. Wenn Du also ein, oder mehrere der folgenden Faktoren für Dich zutrifft, sei besonders achtsam und besprich Möglichkeiten mit Deinem Arzt:

  • Hoher Blutdruck: In europäischen Leitlinien gilt ein Praxisblutdruck ab 140/90 mmHg als erhöht. Bitte regelmässig beobachten und ärztlich abklären lassen.
  • Cholesterin: LDL unter 100 mg/dl ist das Ziel. Regelmäßig messen lassen, besonders auch nach der Menopause.
  • Blutzucker und Insulinsensitivität: HbA1c als Langzeitwert ist aufschlussreicher als ein einzelner Nüchtern-Glukosewert. Auch hier einmal draufschauen und dann regelmässig überprüfen.
  • Übergewicht und Bauchumfang: Bauchfett ist ein direkter Risikofaktor, nicht als Zahl auf der Waage, sondern als Bauchumfang (über 88 cm gilt als erhöhtes Risiko bei Frauen). Aber auch hohes Übergewicht an sich ist natürlich kritisch.
  • Rauchen: Das stärkste vermeidbare Herzrisiko überhaupt. Nach der Menopause potenziert es sich.
  • Bewegungsmangel: Schon 150 Minuten moderater Ausdauerbewegung pro Woche reduziert das Herzrisiko messbar.

Und hier die Lösung: Was Du aktiv für Dein Herz tun kannst

  • Ausdauersport: 30 Minuten zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen, 5 Mal pro Woche ist direkt gefäßschützend
  • Krafttraining: Verbessert die Insulinsensitivität und kann Blutdruck langfristig senken
  • Mediterrane Ernährung: Die am besten belegte Ernährungsform für Herzgesundheit enthält Olivenöl, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, viel Gemüse – hol Dir am besten unseren kleinen Ernährungsplan als Inspiration
  • Omega-3-Fettsäuren: haben entzündungshemmende Wirkung, gerade wenn kein Fisch gegessen wird, sollte man über Supplements nachdenken.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress ist ein Herzrisikofaktor, der von Ärzten zu selten angesprochen wird. Dabei geht es nicht um Stressreduktion (das klappt manchmal einfach auch nicht) aber um Resilienz und wie man mit Stress umgeht.
  • Schlafen: Schlafmangel erhöht Blutdruck und Entzündungsmarker und ist damit direkt herzrisikoverstärkend. Hier kannst Du noch einmal gezielt über Schlafmangel in der Menopause nachlesen und Dir Tips holen.

Blutbild und welche Werte Du gezielt messen solltest

Auch ich habe grade mal wieder ein Blutbild machen lassen, einfach um einen Stand zu bekommen und zu schauen, wie ich in den wichtigsten Werten „unterwegs“ bin. Deshalb auch an Dich: Bitte bei Deiner nächsten Vorsorgeuntersuchung auch um gezielt um ein Blutbild neben Blutdruck messen. Lass Dir die Werte für Gesamtcholesterin mit HDL/LDL-Aufschlüsselung, Triglyzeride, Nüchternblutzucker oder HbA1c, CRP (Entzündungsmarker) mindestens ebenfalls messen. Aber schau auch auf Deinen Bauchumfang. Denn das sind die sechs wichtigsten Herzgesundheits-Parameter für Frauen ab 45.

Was auch erwähnt sein muss: Hormontherapie und Herzgesundheit

Eine weitere WHI-Studie aus dem Jahr 2002 schreckte übrigens Millionen Frauen von der Hormontherapie ab, mit dem Ergebnis, dass kardiovaskuläre Risiken für Frauen in den folgenden Jahren massiv anstiegen, weil viele Therapien abgebrochen wurden.

Was die Schlagzeilen damals verschwiegen: Die WHI untersuchte vor allem ältere, bereits postmenopausale Frauen mit konjugierten Pferdeöstrogenen (Hilfe, das will ich jetzt gar nicht genauer darlegen…). Die Studie untersuchte nicht junge perimenopausale Frauen mit bioidentischen Hormonen (also Frauen, die noch vor der Menopause standen). Heute wird die Wirkung einer Hormontherapie differenzierter betrachtet als noch 2002. Der Zeitpunkt des Beginns spielt eine Rolle. Für gesunde Frauen mit Beschwerden, die früh in der Menopause behandelt werden, ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis oft günstiger. Hormontherapie wird aber nicht mit dem Ziel eingesetzt, Herzkrankheiten zu verhindern.
Und das bedeutet nicht, dass HRT für jede Frau richtig ist. Aber die Entscheidung verdient eine differenzierte Beratung und  definitiv nicht die Angst von 2002. Wenn Hormone für Dich in Betracht kommen, dann such Dir auf jedenfall einen guten Arzt oder Ärztin und lass Dich ausführlich beraten!

Dein Herz hat die Menopause scheinbar so nicht erwartet. Aber Du kannst Dich dennoch auf sie vorbereiten – mit Wissen, Prävention und dem Willen, es ernst zu nehmen.

Das Herz als Organ spielt sich ganz lange überhaupt nicht in den Vordergrund, es arbeitet einfach vor sich hin, meistens ganz still und leise. Es gibt deswegen oft überhaupt keine Warnung… bis es dann doch eine Krise gibt. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt aktiv zu werden. Nicht aus Angst, sondern aus Respekt für das Organ, das Dich am meisten trägt.

In diesem Sinne, sei gut zu Dir.

Deine Mara

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