Wechseljahre am Arbeitsplatz
2022 veröffentlichte die britische Regierung einen Bericht, der in der Arbeitswelt Erschütterungen auslöste: „Menopause and the Workplace“. Die Kernaussage war ernüchternd und eindeutig zugleich. Rund 900.000 Frauen hatten in Großbritannien ihren Job aufgegeben oder ihre Stunden reduziert, wegen Wechseljahresbeschwerden, die am Arbeitsplatz nicht anerkannt oder unterstützt wurden. Nicht weil sie nicht mehr leistungsfähig waren. Sondern weil das System keine Sprache dafür hatte.
Die Zahlen bleiben alarmierend aber es gibt Hoffnung
Das Bild hat sich leider kaum geändert. Eine Untersuchung von Deloitte aus 2025 bestätigt:
- 67 % der Frauen zwischen 40–60 Jahren berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Arbeit.
- Etwa 1 von 6 Frauen verlässt wegen fehlender Unterstützung sogar den Job.
Doch gleichzeitig gibt es Hoffnung. Denn ganz aktuell, diese Woche am 5. Mai 2026 erschien eine neue Umfrage von Harris Poll und Wondr Health. Sie zeigt, dass Menopause inzwischen klar als Thema für Arbeit, Gesundheit und Leistung wahrgenommen wird. Nicht mehr nur als „privates Frauenthema“.
Die Studie zeigt damit einen Wandel: Früher wurde Menopause im Arbeitskontext tabuisiert. Heute erwarten viele Mitarbeitende, dass Unternehmen Unterstützung anbieten.
Du sitzt im Meeting. Es wird heiß. Du weißt, es kommt eine Hitzewallung. Gleich wirst Du rot anlaufen und schwitzen. Plötzlich konzentrierst Du Dich nicht mehr auf den Inhalt des Meetings, sondern darauf, die Hitzewallung zu verstecken.
Für Millionen Frauen ist genau das Alltag. Unsichtbare Energie, die in Verbergen fließt statt in die eigentliche Arbeit. Und wir wissen auch, viele Frauen tragen in dieser Lebensphase zusätzlich Verantwortung für Familie, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Gerade deshalb wird die dauerhafte Erschöpfung oft zu lange still mitgetragen.
Das kostet Kraft. Denn ein Teil der Aufmerksamkeit fließt dann nicht in die eigentliche Arbeit, sondern in das Management von etwas, das eigentlich ganz normal ist: die Wechseljahre.
Für Unternehmen bedeutet das: Sie verlieren Leistung. Noch schlimmer ist aber, dass sie qualifizierte Frauen verlieren. Und zwar genau in dem Alter, in dem diese Frauen besonders erfahren sind. Oft wissen Unternehmen nicht einmal, warum.
Denn wahrscheinlich kennen wir alle es, wenn Vorgesetzte oder Kollegen darauf mit dummen Sprüchen reagieren. Dann ist es wenig überraschend, dass viele Frauen ihre beruflichen Ziele irgendwann zurückschrauben.
Deshalb, meine Bitte an Dich: Was Du für Dich tun kannst
In Großbritannien haben inzwischen viele Unternehmen Menopause-Policies eingeführt. Dazu gehören zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, kühlere Rückzugsorte, verständliche Informationen und feste Ansprechpersonen.
Darunter sind bekannte Namen wie HSBC, Channel 4 und Marks & Spencer. Erste Studien zeigen: Frauen, die an einem solchen Arbeitsplatz tätig sind, berichten über weniger Scham, weniger Fehlzeiten und mehr Zufriedenheit im Job. Dahinter steckt eine einfache Botschaft: Du musst Dich für die Wechseljahre nicht schämen. Und Dein Arbeitgeber sollte wissen, was diese Lebensphase bedeuten kann.
Schritt 1: Verstehe Deine Symptome
Bevor Du mit anderen sprichst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf Dich selbst. Der Körpercheck hilft Dir, eine erste Einschätzung zu bekommen. Danach kannst Du Deine Symptome, ihre Stärke und ihre Auswirkungen auf Deine Arbeit dokumentieren. Ganz einfach, nur für Dich. Mit der Zeit erkennst Du oft Muster. Das macht das nächste Gespräch mit Ärztin, Arzt oder Führungskraft klarer.
Deine Rechte kennen
Je nach Stärke und Auswirkung auf Deine Arbeit können Beschwerden in den Wechseljahren auch für den Job wichtig werden. Dann können Anpassungen sinnvoll sein, zum Beispiel bei Arbeitszeiten, Raumklima oder Home-Office. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte können dazu beraten. Auch sie unterliegen natürlich der ärztlichen Schweigepflicht.
Das Gespräch mit der Führungskraft
Du musst nicht ins Detail gehen. Ein sachlicher Einstieg kann reichen: „Ich habe gesundheitliche Herausforderungen, die mich gelegentlich beeinflussen. Ich würde gerne besprechen, ob flexible Arbeitszeiten oder Home-Office-Optionen möglich sind.“
Das Gespräch mit Kolleginnen
Wenn Du in einer sicheren Umgebung bist, sprich es an. Oft findest Du schneller Verbündete, als Du denkst. Manchmal reicht eine Kollegin, die ebenfalls betroffen ist, damit aus einem privaten Problem ein gemeinsames Thema wird.
Was Du für andere tun kannst
Bist Du Führungskraft? Dann informiere Dich über Wechseljahre und höre zu, ohne vorschnell zu bewerten. Viele Frauen brauchen keine große Sonderlösung. Sie brauchen ein Umfeld, in dem sie offen sagen können, was gerade schwierig ist.
Wenn Du in der Personalabteilung arbeitest, nimm das Thema in Gesundheitsangebote und Führungstrainings auf. In Großbritannien sind Schulungen zu Menopause und Arbeitsfähigkeit in vielen Unternehmen bereits normal. In Deutschland ist es Zeit, diesen Schritt ebenfalls zu gehen.
Gesprächsleitfaden
Mit der Führungskraft: Sachlich, lösungsorientiert, ohne Details erzwingen. Mit Kolleginnen: Offen, einladend, nicht belehrend. Mit der Personalabteilung: Rechte kennen, Vertraulichkeit nutzen. Mit Dir selbst: Deine Beschwerden sind real. Du hast ein Recht auf Unterstützung.
Die Wechseljahre sind ein Arbeitsthema. Es war immer eines, wir haben nur nicht darüber gesprochen. Jede Frau, die es anspricht, macht es für die nächste leichter.
Und genau deshalb entsteht aktuell MenoGlow@Work. Wir möchten Unternehmen dabei helfen, Wechseljahre besser zu verstehen. Nicht als privates Problem einzelner Frauen, sondern als Thema für Gesundheit, Führung und gute Arbeit.
Viele Frauen kämpfen nicht nur mit Symptomen. Sie kämpfen auch mit Unsicherheit, Scham oder dem Gefühl, weiter funktionieren zu müssen. Gleichzeitig wissen viele Führungskräfte nicht, wie sie das Thema sensibel ansprechen können.
Geplant sind verständliche Informationen, Gesprächshilfen für Führungskräfte und Materialien für mehr Wissen im Unternehmen. Nicht als Sonderbehandlung. Sondern als Teil einer modernen Arbeitskultur.
MenoGlow@Work ist noch im Aufbau. Aber ich bin überzeugt: Unternehmen, die dieses Thema früh ernst nehmen, handeln nicht nur menschlicher. Sie halten auch erfahrene Frauen besser im Unternehmen.
Jedes Unternehmen, das reagiert, bindet Erfahrung und Kompetenz. Es ist kein Luxus. Es ist gutes Management.
In diesem Sinne: Sei gut zu Dir und zu Deinen Kolleginnen. Du weißt nie, ob jemand gerade still mit denselben Herausforderungen kämpft. Vielleicht sitzt die Kollegin neben Dir gerade mit denselben Symptomen im gleichen Meeting und versucht einfach nur, den Tag zu schaffen.

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